Wenn Kinder ins Krankenhaus müssen

Nicht nur ich musste wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus, auch unser kleines Maikäferle musste das einmal durchmachen. Sie war völlig apathisch und hing an ihrer Mama wie ein nasses Säckchen. Ein Bild des Jammers. Aber die Mama war mit im Krankenhaus und das hat es etwas leichter gemacht für die Kleine.

Die große Schwester war bei uns, weil der Papa beruflich auswärts war und erst einen Tag später zurück sein konnte. Ich hatte ein bisschen Bauchweh, wie sie reagieren würde, wenn wir nach dem Besuch im Krankenhaus wieder gehen würden und die Mama und die kleine Schwester dort bleiben. Aber sie war ganz vernünftig und hat sich ganz lieb von der Kleinen verabschiedet. Auf dem Weg zum Parkhaus hat sie viele Fragen gestellt und ich merkte deutlich, das die ganze Situation und das Thema Krankenhaus sie sehr beschäftigte. Sie wollte ganz genau wissen, was da nun mit ihrer kleinen Schwester passiert. Ich habe ihr ihre Fragen so gut ich konnte beantwortet und sie war zufrieden damit. Aber es war schon erstaunlich, über was sie sich Gedanken machte.

Es gab nur kurz Tränen, als der Papa anrief, um ihr gute Nacht zu sagen. Aber mit einem Bilderbuch und Vorlesen war der Schmerz schnell wieder vergessen und sie ist dann auch ganz schnell eingeschlafen.

Robin Hood in Endlosschleife

Es ist wirklich vernünftig, dass heutzutage ein Elternteil beim Kind im Krankenhaus bleiben kann. Das war früher nicht selbstverständlich. Für viele Kinder wurde ein Krankenhausaufenthalt zu einer schrecklichen Erinnerung. Nicht nur die Krankheit, auch das Alleine sein hatte Folgen, die oft erst später sichtbar wurden.

Als unser Sohn mit sechs Jahren für einige Tage ins Krankenhaus musste, habe ich darauf bestanden dabei zu bleiben. Das war damals möglich, aber noch nicht so selbstverständlich wie heute. Unsere Tochter war da erst ein paar Monate alt und wurde von der Oma versorgt. Der Papa kam nach der Arbeit ins Krankenhaus und ich konnte ein paar Stunden zu unserer Kleinen nach Hause, um dann die Nacht wieder im Krankenhaus zu verbringen.

Eines Abend brachte der Papa ihm die Kassette „Robin Hood“ mit. Darauf waren die Dialoge des Trickfilms von Walt Disney zu hören. Er hörte die Kassette rauf und runter, obwohl er einen ganzen Koffer voller Kassetten dabei hatte. Er wollte immer nur diese eine hören – und ich zwangsweise mit ihm. Ich glaube, ich könnte heute noch einzelne Szenen mitsprechen. Seither ist OO-DE-LALLY eingeflügeltes Wort in unserer Familie.

Kinder alleine im Krankenhaus

Aber auch ich habe meine Erfahrungen als Kind im Krankenhaus  machen müssen. Als ich zwölf Jahre alt war bekam ich zwei Tage vor Weihnachten so starkes Bauchweh, dass mich der Hausarzt ins Krankenhaus eingewiesen hat. Dort hat man mir den Blinddarm entfernt. Ich war an Weihnachten im Krankenhaus. Es war damals verboten, dass Kinder zu Besuch ins Kinderkrankenhaus kamen.  Meine Eltern waren so lange es ging bei mir, aber an Heilig Abend wollten natürlich auch meine Geschwister die Eltern bei sich haben. So war ich alleine und habe sehr geweint, als die Kirchenglocken zur Christvesper läuteten. Ich tat mir sehr leid, allerdings habe ich noch nie zuvor – und auch später nicht wieder – so viele Geschenke zu Weihnachten bekommen.

 

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