Opas Blog: Interview mit Großvater Untermann

Bloggende Mamas und auch Papas gibt es viele und gefühlt auch immer mehr. Was wir nicht oft finden sind bloggende Omas und Opas. Daher freut es uns um so mehr, dass ein Urgestein der schreibenden Großeltern, Detlef Untermann, uns ein Interview gegeben hat. Er betreibt Opas Blog und hat eine Menge zu erzählen. 

Lieber Herr Untermann, könnten Sie sich unseren Lesern bitte kurz vorstellen: Wer sind Sie, was kann man auf Ihrem Blog lesen?

Also, mittlerweile bin ich der bloggende Großv@ter aus Berlin. Aber Spaß beiseite, meine Name ist Detlef Untermann, ich bin Inhaber einer Kommunikationsagentur (butterfly communications |), 63 Jahre alt, seit über 40 Jahren verheiratet, Vater zweiter toller Töchter und stolzer Opa von zwei bärenstarken Enkelsöhnen.

Damit bin ich dann auch schon bei meinem Blog angekommen, auf dem man die „Gedanken eines Großvaters“ lesen kann. Die reichen von Erlebnissen mit den Enkeln bis zu politischen Sachverhalten wie der jüngsten Entscheidung der Bundesregierung in Sachen Böhmermann.

Wie sind Sie zum Bloggen gekommen?

opasblogEigentlich wie die Jungfrau zum Kinde. Ende 2012 meinte jemand in meiner Gegenwart, im Zeitalter von Facebook und Twitter brauche man mit dem Bloggen erst gar nicht anzufangen. Das haben wir zwar nicht diskutiert, aber der Satz ging mir dann doch durch den Kopf. Dabei kam ich zu dem Ergebnis, dass das ziemlicher Unsinn ist. Denn in der Kommunikationsgeschichte hat noch nie ein neues Medium ein altes total verdrängt. Rauchzeichen beispielsweise werden von dem in Sachen Kommunikation durchaus modernen Vatikan noch bei jeder Papstwahl eingesetzt. Und auch die Höhlenmalerei hat sich in Form von Graffiti bis heute gut gehalten. Und dann wollte ich es wissen und habe mich mit dem Thema Bloggen beschäftigt. Eine Aussage zog sich wie ein roter Faden durch alles, was ich gelesen habe: Erfolgreich bloggen kann man nur, wenn man sich für das Thema begeistern kann. Damit war dann schnell klar, dass ein Blog etwas mit meinen Enkeln zu tun haben müsste. Herausgekommen ist Opas Blog – that’s it.

Großeltern waren immer ein wichtiger Teil der Erziehung der Enkel. Früher mehr als heute, da die Enkel oft weit weg von ihren Großeltern wohnen. Was denken Sie über diese Entwicklung?

Das ist – ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen – so nicht ganz richtig. Sicherlich sind die Menschen heute mobiler als früher. Aber fest steht, dass es in vielen Fällen ohne die Großeltern nicht geht.

Laut der Betreuungsstudie des Deutschen Jugendinstituts verbringt jedes dritte Kind im Alter bis zu drei Jahren mindestens einmal die Woche mehrere Stunden bei Oma oder Opa. Als Babysitter, so berichtete 2011 die Zeit, setzten sogar zwei Drittel der Eltern sporadisch ihre eigenen Väter und Mütter ein. Geografische Nähe ermögliche das: Anders als vielfach angenommen, wohnten die Generationen oft nicht weit voneinander entfernt: Knapp 40 Prozent aller Kinder bis 16 Jahre trenne höchstens eine Viertelstunde Fußweg vom nächsten Großelternteil, weitere 35 Prozent der Großeltern seien innerhalb einer Stunde erreichbar.

Wie wichtig finden Sie eine gute Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln? Was können Enkel von Ihrer Oma oder Ihrem Opa lernen, das sie bei den Eltern nicht lernen können?

Die wichtigste Funktion von Großeltern besteht wohl in ihrem Erfahrungsschatz und der moralischen Unterstützung ihrer Kinder. Das zumindest ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Berliner Meinungsforschungsinstitut USUMA in Zusammenarbeit mit Opas Blog in der Woche vom 14. bis 18. Oktober 2013 bundesweit durchgeführt hat. Während 48 Prozent der 1001 Befragten für diese ideelle Komponente votierten, sahen 28 Prozent die aktive Unterstützung bei der Betreuung der Enkelkinder und nur 5 Prozent die finanzielle Unterstützung der Kinder oder Enkelkinder als die wichtigste Funktion an. 16 Prozent hielten mehrere Funktionen für gleich wichtig. Auf Opas Blog finden sich weitere interessante Ergebnisse der Umfrage, die ich zum Teil so nicht erwartet hätte.

Um noch einmal konkret auf Ihre Frage zurückzukommen: Dass eine gute Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln immens wichtig und elementar ist, ist wohl unbestritten. Allerdings glaube ich nicht, dass Enkel von Ihrer Oma oder Ihrem Opa etwas lernen können, das sie bei den Eltern nicht lernen könnten. Was aber denn großen Unterschied zwischen Großeltern und Eltern ausmacht ist der Erziehungsalltag. Großeltern sollten nicht den Fehler machen, ihre Enkel erziehen zu wollen. Das ist Aufgabe der Eltern. Großeltern sind für die schönen Dinge des Lebens zuständig, so können sie Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen, Vertrauen aufbauen und sozusagen als Krafttankstelle für ihre Enkel fungieren.

Welche Werte würden Sie ihren beiden Enkeln gerne vermitteln?

Verlässlichkeit, so wie wir sie ihnen vorleben. Jeder Mensch braucht Rückzugsgebiete, in Stresssituation umso mehr. Hier sollen sie erfahren, wie solche Rückzugsgebiete aussehen, um sie später einmal für andere anbieten zu können.

Großeltern haben den Ruf, ihren Enkeln mehr durchgehen zu lassen als ihre Eltern. Ist das bei Ihnen auch so?

Natürlich! Wobei aber auch eines klar ist: Meine Frau und ich würden unseren Enkel nichts erlauben, was ihre Eltern partout nicht durchgehen lassen wollen. Das ist so selbstverständlich wie, dass Großeltern natürlich immer etwas großzügiger sein können. Das fällt ohne den täglichen Erziehungsdruck ohnehin nicht schwer.

Sie sind Initiator von KINDER | KOCHEN – was ist die Idee dahinter und welches Ziel verfolgen Sie?

KINDER | KOCHEN ist eine Initiative, die u.a. mit Kochkursen für Schulklassen Kinder für Tischkultur und einen respekt- wie verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln sowie eine ausgewogene Ernährung sensibilisieren will. Die Initiative, die wir gerade in einen Verein umwandeln, gibt die Kochkurse aber nicht selbst, sondern vermittelt Kochpaten an Schulen. Zunächst beginnen wir damit in Berlin, wollen das dann aber auf das ganze Bundesgebiet ausweiten. Dass meine Frau und ich auch solche Kochkurse geben, versteht sich von selbst.

Fotocredit: KINDER | KOCHEN

 

Als Lesepate habe ich erfahren, dass für viele Kinder regelmäßige und frisch zubereitete Mahlzeiten nicht die Regel sind. Nicht zuletzt deshalb fehlt ihnen oft jegliches Verständnis für den Umgang mit Lebensmitteln. Auch gute Tischmanieren sind eher rar. Es gibt da viel zu tun.

Wer Interesse an dem Projekt hat, findet auf der Webseite alle Informationen. Wir freuen uns über jeden, der mitmachen will – ob in Berlin oder sonstwo!

Natürlich wollen wir auch wissen: Was ist das Schönste/Lustigste/Skurrilste, was Sie mit Ihren Enkeln erleben durften?

Da kann ich nur sagen: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Das Einfachste ist wohl, den letzten Brüller zu nehmen, den ich auch auf meinem Blog zum Besten gegeben habe: Also, da war Oma mit unseren beiden Buben unterwegs, als unser Jüngster mit Blick auf unseren Ältesten gefragt wurde: „Das ist sicher Dein Bruder!“ – „Nein“, antwortete der Kleine, „ich bin sein Croissant!“ – „Sein was?“, wollte der Fragesteller wissen, „Du meinst sicher Cousin!“ – „Genau“, entgegnete unser Jüngster mit geballter Selbstironie, „aber ich kann Cousin nicht so gut aussprechen wie Croissant!“

Jeder Post beinhaltet am Ende, nachdem ich die jeweilige Geschichte erzählt habe, ja die Frage: Was soll ich sagen? Da gebe ich dann meinen Kommentar ab, der in diesem Fall so aussah: Also, wenn das mit Jan Böhmermann schief geht und der länger aus dem Verkehr gezogen werden sollte, wüsste ich schon einen Ersatz. Bei dem bleibt in der Regel nämlich auch kein Auge trocken.

Empfehlen Sie uns zum Schluss noch ein paar lesenswerte Blogs/Twitterer/Instagram-(Groß)Eltern?

Da gibt es leider viel zu wenig. Da wäre der Enkelblog von Ingrid Mielenz oder der Blog von Oma Becker. Aber das war’s dann auch schon. Alles, was man vielleicht noch erwähnen könnte, hat seit geraumer Zeit nichts mehr gepostet bzw. kommt nur ganz sporadisch um die Ecke. Irgendwie sind die Senioren, was Social Media angeht, ein wenig flügellahm. Da kann man nichts machen. Dafür haue ich halt jeden Tag in die Tasten, und das nun schon seit dem 12. Februar 2013.

Was es aber in Hülle und Fülle gibt, sind Mama- und Papa-Blogs. Eine gute Übersicht, vor allem, was Mama-Blogs betrifft, findet sich hier. Ansonsten „Papa Blogs“ bei einer Suchmaschine eingeben, da wird man dann schon fündig.

 

Lieber Herr Untermann, vielen Dank für dieses sehr interessante Interview und den kleinen Einblick in ihren Blogger- und Großelternalltag. Weiterhin viel Erfolg mit Ihren Projekten und viel Freude an den beiden Buben wünschen wir Ihnen!

 

Sie sind auch eine Oma oder ein Opa und wollen ein Interview geben oder gar einen Gastbeitrag schreiben. Dann schauen Sie mal hier vorbei: Oma gesucht

Das könnte Dich auch interessieren...

1 Antwort

  1. 27. April 2016

    […] ein Interview gegeben hat. Er betreibt Opas Blog und hat eine Menge zu erzählen“, wird das Interview auf dem Mehrgenerationenblog Waren wir auch so? angekündigt. Was soll ich sagen? Als […]