Bussi, Bussi

Ich weiß nicht, wie ich heute darauf kam, dass ich mich daran erinnerte, wie unangenehm es mir als Kind war, wenn eine Tante sagte: „Krieg ich ein Küsschen?“ Bääh!

Ich war ein schüchternes und nicht sehr selbstbewusstes Kind, außerdem brav erzogen und kam der Aufforderung natürlich nach. Man war in meiner Kindheit gehorsam und gab „schön die Hand“, wenn man jemanden begrüßen musste. Der Gipfel war dann noch ein Knicks, für Buben einen Diener. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen. Die Aufforderung: Gib dem Onkel, der Tante die Hand und sag schön „Guten Tag“ war immer ein Graus, denn unwillkürlich kam der Satz: „Mein Gott bist du groß geworden.“

Es gab schon einige Erwachsene die ich sehr gern hatte und die ich auch drücken wollte, oder sogar küssen. Nur eben nicht alle und jeden. Bei meinen Kindern habe ich versucht dies zu umgehen und sie nicht zu falsch verstandenen Höflichkeiten zu nötigen. Sie waren trotzdem zu jedem freundlich und konnten ihre Zuneigung zeigen, wenn sie dies wollten.

Gerade heute ist es wichtig die Kinder darin zu bestärken, es abzulehnen, wenn sie sich bedrängt fühlen und ihnen die Nähe zu viel wird. Dann können sie auch in brenzlichen Situationen selbstbewußt auftreten.

Deshalb war es für mich auch ein ganz besonderer Augenblick, als meine Enkelin beim Nachhausegehen im Flur nochmal umdrehte und sagte:“Oma Kuss geben“. Sie kam auf mich zu, streckte mir ihr gespitztes Mündchen entgegen und schmatzte mir einen feuchten Kuss auf den Mund. Ich bin dahingeschmolzen.

 

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